Aktuelles

Seit dem Juli 2012 befinde ich mich in der passiven Phase der Altersteilzeit, seit März 2015 in Rente - das heißt, ich muss nicht mehr arbeiten! Hurra!!
Seitdem reise ich viel, insbesondere nach Spanien und Südamerika, um dort die Sprache zu lernen. In der Türkei - auch zum Sprachelernen - war ich schon - und in China ohne die Sprache zu lernen. Vielleicht ergibt sich ja aus diesen Reisen etwas, welches mich ernsthafter beschäftigt.
Einen Blog zum Reisen gibt`s auch von mir - www.Dietmar2015.blogspot.de

Auch meine Theateraktivitäten haben sich ausgeweitet. Mit dem Atelier-Theater Riehen war ich mit "3 Männer im Schnee" und "My Fair Lady" schon auf Tournee, mit der Volkskunstbühne Rheinfelden hab ich zusammen mit Pia im Sommer 2015 "Das Feuerwerk" inszeniert, und ebenfalls mit Pia schon so einige Auftritte mit unseren poetisch-musikalischen Programmen hingelegt.

Zusammen mit Tina Zimm und Pia Durandi haben wir im Sommer 2015 ein Krimiprogramm "Der Falsche Lord" rausgebracht und im Frühjahr 2017 zweimal erfolgreich aufgeführt.

Im Herbst 2017 darf ich  noch mal "Die Abendstunde im Spätherbst" in Neuauflage spielen, ein zwei Personen Stück von Friedrich Dürrenmatt, bei dem ich auch Regie geführt habe.

Ach ja, und neuerdings mache ich Interviews für INFAS und Schulbegleitung für die Lebenshilfe Lörrach. Einen Film beim Filmpool für RTL im Rahmen der Verdachtsfälle hab ich im Oktober 2017 gedreht und über den Jahreswechsel 2017/18 fahren Pia und ich in die Antarktis.

Ihr seht, es gibt einiges zu tun ....

Ankommen in Shanghai

26. November 2015

Ankommen in Shanghai

Der Flug war mühsam. Nicht nur dauerte er mit zehneinhalb Stunden länger als erwartet, auch konnte ich neben sonor schnarchenden Chinesen keinen Schlaf finden. Außerdem gab es nur ganz blöde Filme auf Chinesisch mit englischen Untertiteln, die mich keinesfalls über die Schlaflosigkeit hinweg trösten konnten.

Dafür schien in Shanghai die Sonne bei angenehmen 16 Grad. Leider kann ich euch kein Bild auf den Blog posten, weil die Technik wieder mal nicht das macht, was ich von ihr will. Also erzähl ich euch, dass Pudong in der Nachmittagssonne vom Bund aus fantastisch aussieht. Hört sich schon ganz schön einheimisch an, was? Pudong ist das Hochhaus Viertel und der Bund die Uferstrasse gegenüber, von der aus man die Skyscraper am besten bewundern kann.
Übrigens wohne ich im Merry Hotel Shanghai im 19. Stockwerk, und hab von dort auch einen schönen Blick von oben.
Shanghai hat viele Wolkenkratzer. Mittlerweile mehr als Honkong. Nur NY hat noch ein paar mehr. Dafür nicht so hohe. Der Shanghai Tower wird bald mit 632 Metern das zweithöchste Gebäude der Welt sein. Und es gibt noch zwei weitere Hochhäuser über 400 Meter. 
Der erste Eindruck also war "Staunen". Über die Skyline, aber auch über die selbstverständliche Hyper Modernität, die die Stadt ausstrahlt. Nicht nur der Finanzdistrikt lässt andere Zentren wie Singapur blass aussehen, auch die Einkausmöglichkeiten und der Luxus findet kaum in Zürich oder New York seinesgleichen. Ich bin mir sicher, diese Stadt hätte auch meiner Asien-unlustigen Pia gut gefallen. Weil es die Viertel voller Elend und die Scharen von Bettlern und den enormen Dreck jedenfalls auf den ersten Blick nicht gibt. Kein Abfall auf der Strasse. Und die Motorräder und Mopeds fahren fast alle schon elektrisch. Gibt's bei uns nicht. In Hinsicht auf Elektrofahrzeuge ist China Deutschland um fünf Jahre voraus.
Heute abend hab ich eine Spitzen Akrobatikshow gesehen im eigenen Akrobatiktheater. Das war wie ein Musicaltheater speziell für diese Show gebaut worden. Das Theater heißt ERA. Als Letzter Höhepunkt fuhren acht Motorräder in einer Drahtkugel von etwa 10 Metern Durchmesser ihre Runden - fantastisch!
Die Gruppe, mit der ich reise, ist recht sympathisch und hat außer Rentnern auch noch jüngere Mitglieder. So gibt es immer wieder mal nette Gespräche. Auch der Reiseführer Lee scheint kompetent zu sein. Er hat einen guten Überblick und wirkt authentisch in seinen Ansichten. Er verkündet nicht nur die offizielle Parteilinie. Morgen geht's zum Drei-Schluchten Stausee zur Kreuzfahrt auf dem Jangtse. Dahin fahren wir sieben Stunden mit dem Zug. Jetzt muss ich mich bettfein machen, damit ich fit bin für den morgigen Tag. Ihr hört wieder von mir.

Englischer Sommer in Kent

18. August 2015

Nachdem es in Berlin so heiß war, dass man am liebsten in die Spree gesprungen wäre, erwartete uns das Wetter schon in Gatwick ganz englisch mit tiefhängenden Wolken und Schauern, - also ganz angenehm. Als der Regen beim Leeds Castle in Wolkenbrüche überging, sehnten wir uns schon nach etwas mehr Hitze zurück, und als ich jetzt zum dritten Mal an diesem Morgen der Nordsee einen Besuch abstattete, war es mir endgültig zu kalt. Brrrr....
Nicht untypisch beginnt dieser Blogeintrag mit einigen Anmerkungen zum Weiter. Aber dabei will ich nicht stehen bleiben. Nachdem uns Berlin schon einen Höhepunkt nach dem anderen beschert hatte, ging das in Südengland mit den Höhepunkten munter so weiter. Und zwar alles recht spontan, ohne dass wir viel geplant hätten.
Fangen wir mit dem Ende an: gestern fuhren wir ganz unvorbereitet nach Glyndebourne, und kamen abends nach einem Opernerlebnis der besonderen Art bereichert und beschwingt nach Brighton in unser Umi-Hotel zurück.
Glyndebourne, das ist ein weltberühmtes Opernfestival auf derWiese. Mitten im Grünen ließ ein wohlhabender englischer Gentleman sein Landhaus 1934 zu einem Opernhaus umbauen. Nach einem weiteren Umbau in den Siebziger Jahren passen in dieses Opernhaus nun 1200 Besucher. Während des Festivals von Mitte Mai bis Ende August gibt sich die englische High Society dort ein Stelldichein. Im Smoking die Herren, die Damen in voller Abendgarderobe, reist man in Sonderzügen aus London mit Picknickausrüstung an, um dort vor der Vorstellung oder während der langen Pause auf der Wiese zu picknicken und danach sich einem exquisiten Opernschmaus hinzugeben.
Wir mit unserer Alltagskleidung mittendrin im vornehmen Gewimmel. Anfangs nur staunend, dann Chapagnertrinkend und schließlich noch drei Rest-Tickets erwerbend vollen Anteil nehmend an einem Opernerlebnis der besonderen Art. Geboten wurde das Oratorium "Saul" von Händel. Dargeboten als Oper in einer ganz modernen, gleichwohl faszinierenden Inszenierung. Die feine Gesellschaft war vor Begeisterung außer sich, und wir waren begeisterter Teil dieses Spektakels.
Nie habe ich etwas Vergleichbares gesehen. Vielleicht haben die Umstände mit dazu beigetragen, dass ich mich nun einen bekennenden Opernfan nennen will.
Noch ein zweites künstlerisches Erlebnis hatten wir hier in "Old England". In Canterbury ließen wir uns vom Marlowe Theater zu einem Besuch des Musicals "Dirty Dancing" verführen. Sicher, wir hatten beste Plätze, wir waren auch etwas ermüdet vom anstrengenden Tourismus Programm des Tages, aber diese Aufführung ließ keinen Moment der Müdigkeit aufkommen. Wie elektrisiert verfolgten wir die Darbietung auf der Bühne. Ein Feuerwerk der Musik, des Spiels und des Tanzes. Gesungen und getanzt in Extra-Klasse. Diese Aufführung war jeden Penny der 52 Pfund wert, die der Eintritt kostete.
Neben diesen künstlerischen Highlights sahen wir Kirchen, Kathedralen und Schlösser, aber auch Parks, Gärten und Landschaften, aßen keineswegs so schlecht, wie wir es befürchtet hatten und fahren morgen hochzufrieden nach Basel zurück. Nur das Preisniveau insgesamt ist etwas hoch in Great Britain. Aber das wussten wir ja vorher schon.
Das Zusammensein mit Anina, die hier in Brighton einen achtwöchigen Sprachkurs absolviert, gestaltete sich noch schöner, als wir es erwartet hatten. Auch nach England kehre ich gerne zurück - wenn das Pfund nicht mehr ganz so teuer ist!

Heiße Tage in Berlin

12. August 2015

Fünf Tage waren wir jetzt hier, im Radisson Blue Hotel , Karl Liebknecht Straße 3 mitten in der Mitte von Berlin. Mehr Mitte geht nicht.
Wirklich ein feines Hotel, besonders, nachdem wir nicht mehr nach innen auf das riesengroße Aquarium blicken, sondern Aussensicht auf die Spree und den direkt gegenüber liegenden Berliner Dom haben. Schon am ersten Abend konnten wir zu Fuß zum Gendarmenmarkt hinüber laufen - es ist ja nur ein Katzensprung - und dabei ein Denkmal nach dem anderen bestaunen. Abends dann essen im Hilton mit Travelzoo Gutschein zum erschwinglichen Preis.
Am nächsten Tag ins Historische Museum mit einer tollen Führung durch die Ausstellung "Niederlage, Befreiung, Aufbruch" über die Zeit nach 1945 in zwölf Nachbarstaaten. Sehr interessant. Am Abend dann das holländische Jugendorchester im Konzerthaus, am nächsten Morgen mit einem flippigen Schauspieler mit dem Fahrrad auf Mauertour.
Am Sonntag Abend in den Reichstag zur Führung, am Montag auf die Spree mit dem Bötchen und anschließend ins Nikolaiviertel zum Bummeln mit Sportlermolle im "Nussbaum". Am Abend dann mexikanisch Essen, wo wir Helene Weigels Eintopf erwartet hatten.
Am Dienstag nach Potsdam, wo uns das Schloss den ganzen Tag in Beschlag nahm. Am Abend die "Blue Men Group", und heute lassen wir es bis zum Weiterflug nach London entspannt angehen.
Es waren heiße Tage und voll von Eindrücken. Es war ein neues Berlin für mich, wie ich es in den Siebziger Jahren nicht kennen gelernt hatte, und auch nicht nach dem Mauerfall, als uns Ulrike und Christoph durch Berlin führten. Es war ein Berlin zum Schwärmen und Wiederkommen. Obwohl wir direkt an der Museumsinsel wohnten, bin ich nicht dort gewesen. Und die Theater hatten auch alle Sommerpause. Also das nächste Mal in Berlin, wenn es weniger heiß ist, dafür mit Theater. Ich freu mich schon drauf.
Mittwoch, 12. August 2015

Geschichtenküche

21. Juni 2015

Ich hatte euch ja schon angekündigt, dass der letzte Blogeintrag etwas Besonderes sein sollte: Wir hatten in der "Geschichtenküche" verabredet, dass wir eine außerordentliche Geschichte schreiben wollten. Etwas, was wir schon länger vorhatten, was bisher jedoch nicht realisiert worden war.
Bei mir ist dann nicht mehr zustande gekommen als der letzte Blogeintrag, aber immerhin.
Nun, am letzten Wochenende war wieder "Geschichtenküche". Es sind drei Geschichten entstanden, die ich euch jetzt im Blog präsentiere mangels entsprechender Reiseerlebnisse. Aber da es sich ja um eine Phantasiereise handelt sozusagen, finde ich es auch wieder richtig, sie hier zu veröffentlichen.
Vielleicht noch kurz etwas zur "Geschichtenküche":
Im Rahmen der VHS und angeleitet von Thomas trifft sich ein kleines Grüppchen von Schreibbegeisterten 3-4mal im Jahr am Wochenende, um gemeinsam, aber jeder für sich, kleine Texte zu verfassen. Diese können zustande kommen durch Ideen von Thomas oder durch irgendwelche Wortspiele. Meist haben wir nicht mehr als eine halbe Stunde Zeit, um solch eine Geschichte zu verfassen, und es ist erstaunlich, was in einer halben Stunde alles entstehen kann.
Natürlich kann ich euch nur meine Geschichten zeigen. Es ist ja alles vertraulich! Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, probiert`s doch einfach mal aus. Nennt sich "Creative Writing".
Die erste Geschichte heißt:

Reise nach Südafrika
Die Reise war schon lange geplant. Ursprünglich wollte Albert Verena die Orte zeigen, an denen er bei einem früheren Aufenthalt in Südafrika glücklich gewesen war. Nun war alles anders gekommen.
Verena hatte sich völlig überraschend von ihm getrennt, und Albert stand vor der Wahl, die Reise abzusagen oder sie allein anzutreten.
Seine Freunde hatten ihm zugeraten: "Du musst hier raus. Luftveränderung wird dir gut tun." Und so war er los gefahren ohne viel Hoffnung, sich wirklich von der Bitterkeit lösen zu können, die ihn seit Verenas Weggang im Griff hatte.
Für Kapstadt waren drei Tage eingeplant für eine ausgiebige Stadtbesichtigung mit dem Bo Malai-Viertel, Aufstieg auf den Tafelberg, Busrundfahrt zm Kap der guten Hoffnung und nächtlichem Ausgang an der Waterfront. Albert beschloss, einige Angebote nicht wahrzunehmen. Am Kap war er schon gewesen. Diesen Tag würde er auf eigene Faust gestalten und Orte aufsuchen, die er von früher her in angenehmer Erinnerung hatte.
Am Ostrand des Tafelbergs liegt der Botanische Garten, der immer schon auf Albert einen besonderen Reiz ausgeübt hatte. Hier wollte er einige ruhige Stunden verbringen, bevor er sich am Abend beim Besuch eines Musical-Theaters an der Waterfront seiner Reisegruppe wieder anschloss.
Er fuhr mit dem Taxi zum Botanischen Garten, wohlwissend, welche Risiken der öffentliche Nahverkehr barg. Er wusste aber auch, dass er sich im Garten selbst sicher fühlen konnte. Zu hoch war der Eintrittspreis und zu streng die Sicherheitsvorkehrungen. Im Park hätte er endlich Zeit, um über sich und seine Situation nach dem Fortgang von Verena nachzudenken.
Er hatte sich mit einer guten Kamera, einem Reiseführer und dem neuesten Roman von Ulla Hahn ausgerüstet, den er irgendwo auf einer einsamen Parkbank lesen wollte.
Die Bank war bald gefunden. Die mächtigen Äste eines Magnolienbaumes spendeten geruhsamen Schatten, und Albert nahm aufseufzend Platz. Intensiv drangen die Geräusche des Parks zu ihm hinüber. Es waren nur wenige Menschen anwesend, aber das Geschrei der Vögel und Insekten war um so lauter. Innerer Friede bereitete sich in ihm aus.
Plötzlich spürte er etwas Kaltes an der rechten Schläfe. "Don`t move" hörte er eine kehlige Stimme sagen und realisierte aus dem Augenwinkel, dass ihm eine Pistole an den Kopf gehalten wurde.
"Gimme Money" forderte die Stimme und "Gimme camera, gimme watch" ging es weiter. Albert kam allen Aufforderungen widerstandslos nach.
Dann liess der Druck der Pistole an der Schläfe nach. "Don`t move. Stay here" hörte er den Unbekannten sagen.
Albert bewegte sich nicht, blieb einfach sitzen. Langsam beruhigte sich sein Herzschlag. Albert wusste, dass er nur um ein Haar dem Tod entkommen war.
Nachdem es längere Zeit still geblieben war, wagte er es, sich umzudrehen. E war niemand mehr zu sehen. sein Blick fiel auf eine voll erblühte Strelizie, deren Blütenblätter wie bei einem Feuervogel in den Himmel strebten.
Albert atmete tief aus. Wie nahe waren Tod und Leben. Ein großer Trost stieg in ihm auf. Was zählte der Verlust der Kamera, der Uhr und des Geldes angesichts des Lebens, das er behalten hatte. Und im selben Moment wusste er, dass er auch den Verlust von Verena überwinden würde.

Und schon folgt die nächste Geschichte:
Sechs Worte sollten darin vorkommen: Dauerregen, Schaufenster, Mäusefrass, verzeihen, Brille und Husten

Regen am Wochenende

Es hatte den ganzen Samstag geregnet und hörte auch am Sonntag nicht auf. Albert hatte sich einen Tag lang in seinen großen Ohrensessel verzogen, die Lesebrille aufgesetzt und im Laufe des Tages zwei Kriminalromane durchgeschmökert. Eigentlich hätte er mit dem Verlauf des Wochenendes zufrieden sein können, wäre da nicht der Mäusefrass gewesen, der ihn aus der Höhlung seines Kühlschrankes her anstarrte.
Am Sonntag um 10 Uhr fasste er einen Entschluss. "Ich gehe in die Stadt und hole mir frische Brötchen". Auch der Dauerregen konnte ihn nicht daran hindern, den etwas längeren und beschwerlicheren Weg zum Bäcker Paul einzuschlagen, wusste er doch, dass es dort die besten Laugencroissants der Stadt gab.
Welche Enttäuschung, als er im Schaufenster ein Schild erblickte "Wegen Umbauarbeiten geschlossen". Schon wollte er sich auf den Weg zum nächsten Bäcker machen, als er mit Erstaunen bemerkte, dass zwei Männer durch die Eingangstür das Geschäft verliessen, über und über beladen mit reich gefüllten Bäckertüten.
"Was ist das denn?" dachte er, als auch schon eine dritte Person das Geschäft verließ. Er fasste sich ein Herz und sprach sie an: "Verzeihen Sie, mein Herr, ist das Geschäft doch geöffnet?"
Das Gesicht des Fremden war unter der Kapuze kaum zu erkennen. Er hörte ein schwaches Husten. "Ja, ja, gehen Sie nur rein", murmelte es Albert aus dem Halbdunkel des verborgenen Gesichts entgegen.
Mit der Hoffnung, doch noch zu seinen ersehnten Laugencroissants zu kommen, öffnete er die Ladentür und betrat das Geschäft. Doch welche Überraschung erwartete ihn: Das Geschäft war leer. Überall verstreut lagen Backwaren auf dem Boden, und die Ladenkasse war aufgebrochen. Bevor er noch recht begriffen hatte, in welchen Schlamassel er da hineingeraten war, hörte er auch schon das Martinshorn und sah das Blaulicht des Polizeifahrzeugs, welches mit quietschenden Bremsen vor der Tür hielt.
Die beiden Beamten machten kurzen Prozess mit ihm. Sie hatten ihm Handschellen angelegt, bevor er "Piep" sagen konnte. Spätestens jetzt wusste Albert, dass dieses Wochenende nicht zu den besten in seinem Leben zählen würde.

... und die dritte Geschichte:

Der lange Tag

Als erstes fiel Janine`s Blick auf die Deckenlampe. "Artemis" hatte sie nach langem Suchen bei Möbel Becker gefunden. Das graue Licht des Morgens fiel durch die Vorhänge und ließ die elegante Metallkonstruktion wie eine riesige Zikade an der Decke ihrer Altbauwohnung erscheinen. Wie spät? Halb sieben! Fast noch etwas früh. Sie musste erst um zehn im Studio sein. Was hatte sie geweckt?
Von draussen drangen Strassengeräusche herauf. Basel war bereits erwacht und auf dem Weg in einen sonnigen Tag.
Sie rollte sich aus dem Bett und griff verschlafen nach der Gymnastik Matte, die direkt am Bettpfosten plaziert war. Erst mal richtig dehnen und strecken. Janine wusste, wie wichtig tägliche Gymnastik für die Aufrechterhaltung körperlicher Fitness war. Und Fitness gehörte nun mal zum Geschäft.
Janine arbeitete nun schon seit zwei Jahren als freies Model. Seit dem Ende ihrer Ausbildung bei Stylish hatte sie sich ganz passabel durch geschlagen. Diese Wohnung hier in Basel war ihre feste Bleibe. Aber viel Zeit verbrachte sie nicht dort. In Rom, Berlin oder New York war sie in kleinen Hotels untergebracht, oft zusammen mit Kolleginnen, die ebenfalls für ein Shooting engagiert worden waren.
Langsam kehrten die Lebensgeister in Janines schmalen Leib zurück. Was würde sie sich heute zum Frühstück gönnen? Knäckebrot mit Magerquark, das Übliche? Oder mal ein Stück Apfel dazu?
Die Waage war Janines ständiger Begleiter. Die Grenze von 48 Kilo durfte sie nicht überschreiten. Janine wusste, dass dann keine Aufträge mehr kommen würden. Das war das ungeschriebene Gesetzt der Branche: BMI kleiner als 20. Anders geht gar nicht. Und Janine war mit 19 knapp dran an der Grenze.
Nach einer halben Stunde war der Kreislauf ordentlich in Schwung gekommen. Trotzdem sah das Gesicht, das ihr aus dem Spiegel im Bad entgegenblickte, bleich aus wie immer. Kritisch musterte sie sie Haare. Die würden eine Tönung brauchen. Augenbrauen mussten gezupft werden. Grundierung, Lidschatten, Rouge, Nagellack und Lippen - eine Stunde mindestens würde sie im Bad beschäftigt sein, bis sie sich in die Öffentlichkeit wagen könnte.
Um halb neun klingelte das Telefon. "Janine, Süsse, kannst Du mich auf dem Weg ins Studio mitnehmen? Ich stecke hier bei George fest und hab noch nicht mal gefrühstückt." "Klar, bin um halb zehn bei dir." Esther, die Direktionsassistentin war immer spät dran.
Es würde ein langer Tag werden heute. Studio bis um drei am Nachmittag, und dann noch mal raus fürs Abendlicht in die Langen Erlen. Als Janine um neun die Wohnungstür hinter sich schloss, war sie perfekt vorbereitet, um allen Widrigkeiten des Tages ein strahlendes Lächeln entgegensetzen zu können.

:wave:So, das waren mal drei Geschichten aus unserer Wochenend-Geschichtenküche.
Demnächst mehr aus diesem Theater.

Zuhause am Schönsten

26. Mai 2015

So, nun ist es wieder soweit: Ich sitze vor meinem Blog und habe Absichten, zu schreiben. Diesmal ist es etwas ganz besonderes, weil ich in der letzten Geschichtenerzählküche angekündigt hab, ich würde mal einen Blog übers zuhausesein schreiben. Mein kleines feines Schreibprojekt soll das werden! Na, schauen mehr mal.
Seit der Rückkehr aus Malle Mitte März sind es zehn Wochen her. Ich war nur einmal für drei Tage mit dem Fahrrad Weg am Neckar entlang bis Stuttgart. Ansonsten Zuhause. Und wie ist das Zuhause?
Nun, ich muss mir ein bisschen Zeit lassen für die Antwort.
Wenn ich "unterwegs" bin , dann gibt es neues, es gibt was zu erzählen, von dem ich mir einbilde, dass es noch nicht bekannt sei. Und hier Zuhause? Nun ja, vieles ist vielleicht ähnlich, immer wieder gleich.
Ich fahre regelmäßig mit dem Fahrrad in die Stadt, gehe ca dreimal pro Woche in die Sauna, einmal pro Woche ins Kino, Treff mich gelegentlich mit Freunden zum Mittagessen im Restaurant, (auch einmal Inder Woche), lese viel Zeitung Zuhause oder in der Stadtbibliothek.
Es gab auch einige Fussballabende mit den entzauberten bajuwarischen Magiern. Jetzt ist da eher Ebbe. Freiburg ist abgestiegen, nur das Pokalendspiel und das Endspiel der Championsleague locken noch.
Ihr merkt es schon: unaufhaltsam nähere ich mich dem Thema der Ereignislosigkeit. Es gibt auch Zeiten, in denen läuft nichts und ist nichts geboten. Ich schlafe lang und viel mehr als früher. Ich habe ja Zeit und kann es genießen. Kann ichs wirklich genießen?
Oft hänge ich auch ziemlich rum. Der Tag vergeht nicht von allein, wenn er nicht durch Agenda und Stundenpläne in seine Bestandteile zerlegt ist. Manchmal frag ich mich, was ich tun soll? Das ist nicht nur die grundlegende Frage der Moralphilosophie, sondern auch ein ganz praktisches Problem. Soll ich heute vielleicht mal meinen Museumspass ausnutzen und eine Ausstellung aufsuchen? Oder lieber schwimmen gehen? Oder mal etwas größeres mit dem Fahrrad planen?
Wenn ich schon mehrere Möglichkeiten in Erwägung ziehe, mache ich meist gar nichts davon, sondern hänge völlig sinnlos in der Gegend herum. Einen Vorwand liefert mir meine Gesundheit, mit der ich klagenderweise überproportional viel Zeit verbringe. Die chronischen Gelenkschmerzen, die mich immer häufiger aufsuchenden Erkältungskrankheiten oder die Folgen der Unfälle, die mir widerfahren. Ich bin letzthin wieder mal vom Fahrrad gefallen, und nur der Helm hat Schlimmeres verhindert, hat dies aber mit seinem Leben bezahlt. Mich hats nur am Ellenbogen, an der Schulter und an den Rippen erwischt. Aber davon kann man lange ein trauriges Lied singen.
Natürlich gibt es da unser gemeinsames Theaterprojekt. Pia und ich wollen mit der Volkskunstbühne Rheinfelden im September "Das Feuerwerk" von Paul Burkhard auf die Bühne des St. Josefshauses in Herten bringen. Da gibt es einiges zu tun. Aber eigentlich müsste ich viel mehr machen. Manchmal weiß ich, was ich machen sollte, tu es aber nicht. Mein Faulsein kann ich dann nicht genießen, sondern habe darüber wie in alten Zeiten ein schlechtes Gewissen. Manches ändert sich einfach nicht. "Selbstbestimmte Zeit" - kann ich nur lachen. Je mehr freie Zeit ich habe, um so weniger nutze ich sie für das, was ich machen möchte.
Dann schon lieber Zeit verplanen. Dann ist sie weg, und kann mir nicht mehr auf die Nerven fallen. Wenn ich gut geplant habe, dann mach ich wieder eine interessante Reise und erzähl euch darüber. Dann habt ihr auch wieder was davon und müsst euch nicht mein langweiliges Daheim-Geschwätz anhören, bzw. lesen.
In diesem Sinne, adieu für heut. Ich melde mich wieder, wenns was Interessantes zu berichten gibt.

Nach Malle das Frühjahr in Lörrach

16. März 2015

Am Donnerstag der letzten Woche kam ich aus Mallorca zurück - etwas gesünder als ich hingefahren war! So eine Erkältung braucht halt 14 Tage, bis sie sich wieder eingeebnet hat, und ich war mit einem ziemlich frischen Schnupfen losgefahren.
Hat mich aber letztlich nicht dran gehindert, jeden Tag mehr als 50km Rad zu fahren. Und alles bei herrlichstem Wetter. Wir hatten mit fünf Männern über airbnb eine tolle FeWo in Pollenca gefunden, War alles vorhanden, TG, Heizung, gute Kücheneinrichtung, großzügiges Wohnzimmer und netter Vermieter. Leider kam es auch zu einigen Alkoholexzessen - aber davon später. Fünf Männer können allen Vorurtilen zum Trotz auch sehr ordentlich sein. Einige kochten und backten gern, andere sahen ihre Stärken im Aufräumen, Müll wegbringen und Einkaufen. Wir verliessen die Wohnung blitzblank. Ich war stolz auf unsere Männer-Gemeinschaft.
Ansonsten wurde natürlich ziemlich viel getratzt und gelästert. Leider hat einer ein Alkoholproblem, und das kam mit Macht zum Vorschein. Ein anderer hat wahrscheinlich auch eins, ist aber die ganze Zeit abstinent geblieben. Am Abend haben wir uns im Club Pollenca versammelt, um dort zu essen, fernzusehen und auf jeden Fall durch WiFi online zu sein. Das hatten wir nämlich nicht in der Wohnung.
Pollenca ist ein sehr hübscher mittelalterlicher Ort mit kleinen Gassen und hübschen Geschäften. Vom Kalvarienberg hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Bucht von Alcudia. Im Trecadoro haben wir am letzten Abend mit Peter Maffay am Nebentisch hervorragend gegessen. Ist schon komisch, wenn man sich umschaut und plötzlich am Nebentisch ein bekanntes Gesicht entdeckt. zuerst weiß man nur: Den kenn ich! Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Peter Maffay, zusammen mit einer großen Tischgesellschaft, alle schwarz gekleidet, wie es sich für Künstler gehört.
Das Kap Formentor ist spektakulär für Fahrradfahrer, besonders in der Nebensaison, wenn nicht alles mit Autos vollgestopft ist. Im Restaurant des Klosters LLUc kann man übrigens hervorragend essen. Besonders gut fand ich chocolata con churros. Hatte ich schon gesagt, dass ich Süssigkeiten liebe?

Im Februar waren Pia und ich noch drei Tage im Gästehaus Hundelbach in Kappel bei Lenzkirch. Entzückende Unterkunft! Der Ort musste gerade miterleben, wie ein allseits bekannter Stiefvater sein Stiefkind zu Tode geschlagen hat. Ging alles durch die Presse. Das Dorf steht unter Schock! Wie konnte das passieren?
Wir hatten in den drei Tagen jede Menge Neuschnee, fast ein bisschen zuviel. Es war so stürmisch, dass an eine LL-Tour wegen des Schnees und Windes gar nicht zu denken war. Mit Schneeschuhen liefs sich besser, aber immer noch ziemlich windig.
Zuhause ist es natürlich noch gemütlicher als in der kleinen FeWO mit den Schneemassen vor der Tür. Jetzt wird fleissig am "Feuerwerk" gearbeitet. Die Proben schreiten rüstig voran. Das Sponsoring läuft so gut, wie ich es niemals erträumt hätte. Jetzt muss nur noch die Produktion gut werden.
Ein Wochenend-Workshop, den ich über Präsenz an der VHS halten wollte kam wegen Mangels an Teilnehmern nicht zustande. Ist mir grad recht. Hab schon genug zu tun. Jetzt geht's erst mal in die Sauna. Also bis demnächst wieder mal.

Wieder Daheim

14. Dezember 2014

Heute ist der dritte Advent. Ich sitze zuhause im Wohnzimmer und schreibe endlich wieder an meinem Blog, den ich nun mehr als drei Monate schmählich vernachlässigt habe. In diesen drei Monaten ist viel passiert, und das will ich euch jetzt erzählen.
Von Sanur auf der Insel Bali ging es Anfang September noch für zehn Tage nach Lombok. Die ersten fünf Tage nach Travangan, eine der Gili-Inseln, und dann ins Sheraton nach Senggigi. Das war noch einmal ein Höhepunkt der Reise. Auf den autofreien Gilis kann man tauchen und sich in einem der hervorragenden Restaurants mit Fisch verwöhnen lassen. Sicher, es ist dort alles ein bisschen teurer als sonstwo, aber die Tauchgänge waren hervorragend, und es ist schon ein besonderes Vergnügen, wenn man sich den Fisch am Stand aussuchen kann, dann wird er gegrillt und ist 10 Minuten später auf dem Teller.
Einmal hörten wir beim Tauchen die Explosionen von Dynamit-Fischern. Einmal entdeckten wir eine ansteigende Unterwasserebene, die übersät war von Schildkröten. Fantastisch!! Ein anderes mal sah ich neben vielen Riffhaien auch eine zwei Meter lange Seeschlange, die sich ziemlich unbesorgt durchs Gestein schlängelte. Mit meiner Tauchlehrerin kam ich am Abend im Fischrestaurant ins Gespräch über Freiheit. Sie stammt aus Singapur und findet das strenge Regiment der Regierung von Singapur über seine Bürger gerade richtig. An den USA könne man ja sehen, dass dort die Freiheit des Bürgers in Bezug auf den Besitz von Waffen von diesen missbraucht werde.
Gibt es auch ein Zuviel an Freiheit? Darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht.

In Senggigi mieteten wir uns an zwei Tagen ein Auto mit Fahrer und liessen uns über die Insel kutschieren. Wie herrlich, wenn man einen einheimischen Führer hat, der gut Englisch spricht, und dem man seine Wünsche mitteilen kann. Er gab uns Tipps und fuhr uns dorthin, wo wir hin wollten. Wir haben dadurch noch einmal mehr erfahren als zuvor auf eigene Faust. Unter anderem besuchten wir ein Bergdorf, in dem die Bewohner abgeschlossen von der Restwelt nur unter sich bleiben und Kontakt zur Außenwelt meiden. Sie folgen einem Führer, den sie als höchsten Priester verehren, und sind misstrauisch allem Fremden gegenüber. Es war ein eindrucksvolles Erlebnis, mit dieser Spielart der gesellschaftlichen Entwicklung konfrontiert zu sein.
Das restliche Lombok ist muslimisch und auf dem Weg in die Moderne. Überall entstehen neue Zentren des Tourismus. Ein Flughafen wurde gebaut und Autobahnen, die von dort die verschiedenen Teile der Insel erschliessen. Lombok ist auf dem Entwicklungsstand, auf dem Bali vor zwanzig Jahren war. Die Insel der tausend Moscheen will auch etwas vom großen Kuchen des Tourismus abhaben. Es steht zu befürchten, dass die jetzt noch idyllische Insel bald den zwiespältigen Segen der touristischen Erschliessung erfahren wird.
Über Singapur flogen wir zurück nach Deutschland. Seit Mitte September bin ich nun in Lörrach. Nur dreimal habe ich kurz das Dreiländereck verlassen. Einmal, um mit meinem Spanisch-Kurs nach Sevilla zu fliegen. Mit den Zwerginnen nach Andalusien!! Wir hatten mächtig viel Spass miteinander, auch wenn vier von uns schon beim Rückflug den Spass mit einer Darmgrippe bezahlten.
Beim zweiten mal war ich im Ruhrgebiet, nachdem wir mit dem Dreiländertheater in Plettenberg erfolgreiche Premiere des Kästner Stücks "Drei Männer im Schnee" gefeiert hatten.
Beim dritten mal hab ich meinen Freund Rolf in Stuttgart besucht und mit ihm die Oper, das Renitenz-Theater und das Mercedes Museum besucht. Drei schöne Tage in der Schwabenmetropole.

Jetzt bin ich wieder in Lörrach und geniesse selbstgebackene Vanille-Kipferl und Brunzlis. Mit dem Dreiländertheater hatten wir zwei weitere Aufführungen in Germersheim/Pfalz und Wil/Schweiz. Sylvester spielen wir in Ratingen und am 9. Januar noch ein letztes mal in Solingen. So ein Tourneetheater ist eine lustige Sache, wenn man sich gut versteht - und das tuen wir.
Wir hatten auch schon ein erstes Vorbereitungstreffen für unser großes Theaterprojekt "Das Feuerwerk" im Herbst nächsten Jahres in Herten. Pia macht musikalische Leitung, ich führe erstmals Regie. Der Zirkus Karozi macht auch mit, und wenn nicht immer wieder mal ein Mitspieler ausfällt und ersetzt werden müsste, würde das Ganze noch mehr Spass machen. Aber inzwischen bin ich guten Mutes, dass wir die Produktion stemmen werden, auch wenn es keine Freilichtaufführung gibt und nicht alle mitmachen, die ich gern dabei gehabt hätte.
Noch etwas ist neu: Ich begleite seit drei Wochen einen achtzehnjährigen behinderten Jugendlichen zur Schule. Ich helfe ihm aus dem Rollstuhl und versorge ihn mit Schulmaterial. Auch eine spannende Aufgabe, bei der ich nebenbei meine Schulkenntnisse in Mathe wieder auffrische.
Ich werde also im nächsten Jahr kaum unterwegs sein, vielmehr häuslich im Dreiländereck mein Unwesen treiben. Pia ist mit dem Jahreswechsel ebenfalls in den Ruhestand eingetreten, so dass wir zwei viel Zeit miteinander verbringen werden. Ich bin wirklich gespannt, wie wir mit dieser neuen Herausforderung umgehen werden. Ich bin guten Mutes.
Kann also sein, dass ich jetzt längere Zeit nichts mehr von mir hören lasse. War doch dieser Blog mit dem Titel "Unterwegs" ursprünglich dafür gedacht, meine Reisen zu dokumentieren. Andererseits könnte es auch sein, dass ich etwas schreibe, obwohl ich nicht unterwegs sondern zuhause bin. Zuhause kann es ja auch ganz spannend sein, oder?
Ich hab mich nämlich mittlerweile ans Blogschreiben gewöhnt und würde es vermissen, wenn ich nicht ab und zu etwas von mir geben dürfte. Aber umbenennen werde ich den Blog nicht. Er heißt "Unterwegs", auch wenn ich zuhause bin.

Fahrradfahren in Valencia

14. Oktober 2014

Was hatte ich mir für Gedanken gemacht, und wie hatte ich mich gefreut auf's fahrradfahren in Valencia. Ob ich wohl Helm und Schloss mitnehmen soll? Vielleicht noch Flickzeug und Fahradtasche. Und wo ich das Fahrrad dann lagern würde? Bei der Senora hat's wenig Platz im 14. Stock eines Wohnhauses. Vielleicht ginge es ja oben auf der Dachterrasse? Aber dann müsste ich das Fahrrad jedesmal im Aufzug nach oben transportieren. Auch keine einfache Aufgabe.
Und nun habe ich eine Tarjeta für ein valenbisi in der Tasche und muss mich sonst um nichts kümmern.
Valenbisi funktioniert so: An vielen Stellen in Valencia gibt es Stellplätze für öffentliche Fahrräder. Die stehen dort, sind elektronisch gesichert und die Besitzer der Valenbisi-Card können sie jederzeit ausleihen. Sie müssen sich nur mit ihrer Karte elektronisch identifizieren, dann können sie ein beliebiges Fahrrad für eine halbe Stunde ausleihen. Dann müssen sie es an einem beliebigen anderen Stellplatz abparken und ein neues ausleihen. So kann man den ganzen Tag unterwegs sein, allerdings nur im Stadtgebiet. Außerhalb gibt's keine Parkplätze.
Die Räder wiegen 25 Kilo und sind daher ziemlich langsam. Dafür haben sie einen praktischen einkaufskorb, Licht und ein Schloss. Ich bin ganz glücklich, denn für solche rostrentner wie mich ist das genau das richtige. Meine Knie freuen sich.
Heut bin ich schon mal ein bisschen herumgefahren, hab Einkäufe gemacht und mir ein bisschen die Stadt angeguckt. Ich freue mich schon richtig, auch wenn der Sport mit diesen Rädern etwas zu kurz kommt.
In der Schule ist es wie gehabt: Erst loben sie mich für mein gutes spanisch und stecken mich in einen Fortgeschrittenen Kurs, und dann ärgere ich mich so über meine Fehler, dass ich rein gar nichts mehr auf die Reihe bringe. Vielleicht lern ich ja diesmal mehr Gelassenheit.

Von Sanur bis Denpasar

05. September 2014

Seit vier Tagen genießen wir den Luxus unseres balinesischen Resorts Segara Village in Sanur. Sicher auf Nusa Dua ist der Luxus noch größer. Aber warum auch fünfeinhalb Sterne in steriler Umgebung, wenn wir in Sanur mit vier Sternen abends gemütlich in der Umgebung spazieren gehen können.
Eine Umgebung allerdings mit Geschäften, Restaurants und sonstiger touristischer Infrastruktur, nicht besonders landestypisch, aber für den Touristen doch angenehm nutzbar.
Ganz anders in Denpasar. Gestern wollten wir an die Surfstrände der nur wenige Kilometer entfernten Ostküste, nach Kuta, Legian und Seminyak. Der direkte Weg dorthin führt durch die Hauptstadt Denpasar. Und dort erwartete uns ein Chaos, welches mein Ordnung gewöhntes mitteleuropäische Gehirn überforderte. Keine Strassenbeschilderung, chaotische Verkehrsverhältnisse, Hitze und Dauerlärm führten bald zur Überforderung und zum Wunsch, nur recht bald wieder in die Ruhe des Resorts eintauchen zu können.
Vorher sass ich noch in Seminyak auf der Terrasse des Gado Gado und beobachtete die Wellenreiter bei ihren Versuchen, den optimalen Drive zu erwischen.
Am Mittwoch hatte ich nochmal einen Tauchtag eingelegt. Tauchen auf der vorgelagerten Insel Nusa Penida war angesagt. Ich hatte schon Tolles gehört vom Tauchen am Manta Point. Leider war die Tour schon ausgebucht. Stattdessen zwei Drift Tauchgänge, also Tauchen mit der Strömung. Und die Strömung war ziemlich stark. Wie mit dem Expresszug ging es am Riff entlang. Einmal hörte die Strömung plötzlich auf und kehrte sich in die andere Richtung um. Da heißt es nah am Tauchguide zu bleiben, um nicht irgendwohin getrieben zu werden und den Kontakt zur Gruppe zu verlieren.
Ich hatte jedenfalls keine Probleme und konnte das Tauchen geniessen. Auch wenn der sagenumwobene Mola Mola nicht zu sehen war und das Vergnügen mich 120$ kostete. (Diese Info für diejenigen, die besonders an Preisen interessiert sind.)

Die Polizei - Dein Freund und Helfer

02. September 2014

Wir hatten schon viel über die Polizei in Bali gehört. Und nicht immer nur Gutes. Z. B. Dass sie mit Vorliebe den Touristen auflauern, um Führerschein und Fahrzeugpapiere zu kontrollieren, wohlwissend, dass die meisten keinen internationalen Führerschein bei sich haben. Man kann nämlich ohne weiteres ein Fahrzeug mieten ohne den internationalen Führerschein. Nur fahren darf man nicht ohne.
Zum Glück hatten wir beide unseren internationalen Führerschein dabei, und hatten diesen auch schon mehrfach bei diversen Polizeikontrollen triumphierend präsentiert. Einer Strafe waren wir bisher entgangen. Ein Reiseführer riet uns dringend davon ab, in Denpasar Motorrad zu fahren. Im Großstadtgewühl unterlaufen einem leicht Fehler, und die Polizei sucht nur nach einem Vorwand, um die Einheitsstrafe 250 000 Rupien zu verhängen.
250 000 Rupien sind 16€, also nicht allzuviel. Doch sie entsprechen etwa einem Drittel des Monatsgehaltes eines Restaurant angestellten.
Heute an der Toll-Brücke nach Nua Dusa war es dann so weit. Wir waren eine halbe Stunde zuvor bereits von der Polizei kontrolliert worden. Doch an der Brücke ordnete ich mich versehentlich in die falsche Spur ein, und schon ergab dies einen Vorwand, um uns ein Ticket aufzubrummen.
Da hatte der gute Mann aber nicht mit unserer entschiedenen Gegewehr gerechnet. Nach dem Motto “good guy, bad guy“ nahmen wir den Polizisten in die Zange. Heiko, obwohl des Englischen nicht allmächtig, machte dem Polizisten klar, dass nun der Spass aufhören müsse. Seine emotionale Performance war überragend. Auch ohne viel Englisch machte er dem Polizisten klar, dass er bei ihm an den Falschen geraten sei.
Ich meinerseits bemühte mich um Entspannung der heftig eskalierenden Situation, indem ich die Annahme des Tickets verweigerte, und den Polizisten unentwegt einen freundlichen Mann nannte.
Dieser hatte sich mittlerweile darauf festgelegt, dass wir die indonesische Polizei beleidigen würden, indem wir ihr Bestechlichkeit unterstellten. Dies wiesen wir natürlich weit von uns.
Das Palaver dauerte fast 20 Minuten. Wir waren selbst überrascht, dass wir am Schluss der ganzen Chose ungeschoren davon kamen. Wir nahmen Führerschein und Fahrzeugpapiere in Empfang, nicht ohne weitere Komplimente zu verteilen, und fuhren triumphierend von dannen. Noch nie hatten wir gehört, dass jemand ohne Bestechungsgeld davon kommt.
Wir können nun also mit Fug und Recht das Hohe Lied von der Anständigkeit der Indonesischen Polizei singen - was ich hiermit getan habe!